Publikationen zu den Dorfkernen und zum Stadtkataster
Hier finden Sie aktuelle Publikationen zu den ehemaligen Münchner Dorfkernen und Informationen zum Stadtkataster
Das archäologische Stadtkataster
Die gesamte Münchner Altstadt ist – in ihren baulichen Grenzen bis um 1800 – im Bayerischen Denkmal-Atlas als Bodendenkmal verzeichnet. Um das denkmalrechtliche Erlaubnisverfahren zu beschleunigen und Planungssicherheit für Bauherren zu schaffen, lässt die Stadt München seit 2001 eine archäologisches Stadtkataster von einem Mittelalter-Archäologen erstellen.
Das archäologische Stadtkataster wurde 2001 ins Leben gerufen. Seitdem hat der Münchner Stadtrat regelmäßige Berichte über Funde aus noch nicht untersuchten Bereichen und Bauprojekten erhalten. In den Jahren 2022 und 2023 konnte im Rahmen der Untersuchung Planungssicherheit für insgesamt 63 Maßnahmen geschaffen werden, bei denen archäologische Studien integriert wurden. 2024 ist diese Arbeit mit 24 Maßnahmen im Bodendenkmal Münchner Altstadt fortgesetzt worden, wobei 20 archäologisch relevante Befunde zu Tage gefördert werden konnten. Das Projekt „Archäologische Kartierung der Münchner Altstadt“ wird nunmehr nach 25 Jahren Bearbeitungszeit und der Bereitstellung einer Datenbank seinen Abschluss finden.
In einem archäologischen Kataster werden positive und negative Flächen ausgewiesen. Rot (positiv) werden Flächen gekennzeichnet, in denen mit erhaltenen älteren Kulturschichten und Siedlungsspuren zu rechnen ist. Dunkelgrün werden alle Flächen ausgewiesen, in denen unter der modernen Bebauung noch Schachtanlagen (Brunnen und Latrinen) erhalten blieben, die teilweise bis zu sechs Meter in den geologischen Untergrund reichen. Negativ (hellgrün) werden Flächen gekennzeichnet, in denen sowohl die Kulturschichten als auch Schachtanlagen durch tiefgreifende Baumaßnahmen vollkommen zerstört wurden, etwa durch Tiefgaragen, mehrstöckige Unterkellerungen oder größere Versorgungstrassen. Positiv kartierte Flächen können parzellengenau dargestellt, relevante Untersuchungsareale in Fläche und Tiefe ausgewiesen werden. In der Münchner Altstadt wurden von den bisher geprüften Flurstücken 54 Prozent negativ kartiert.
Der Kataster ist eine wichtige Serviceleistung für Bauherrinnen und Bauherren, Planerinnen und Planer. Denn er hilft, Verzögerungen durch überraschend auftretende archäologische Funde zu vermeiden. Gleichwohl ist ein denkmalrechtliches Erlaubnisverfahren mit detaillierter Fachprüfung in allen Bereichen der Altstadt erforderlich - gleich, ob es sich um ein privates, kommunales oder staatliches Bauvorhaben handelt, und ob die jeweilige Fläche positiv oder negativ kartiert ist.
Weitere Information erteilt die Untere Denkmalschutzbehörde:
Telefon 089 233-23283
plan.ha4-6@muenchen.de
- Für Planungsbüros, Bauherrinnen und Bauherren: keine Verzögerungen bei Baumaßnahmen durch überraschend auftretende archäologische Funde; frühzeitige Planungs-, Termin- und Kostensicherheit
- Für die Untere Denkmalschutzbehörde: erhebliche Beschleunigung des denkmalrechtlichen Erlaubnisverfahrens
- Für Versorgungsunternehmen: Planungs-, Termin- und Kostensicherheit beim Ausbau des Fernwärme- und Kanalnetzes
- Für alle: neue wertvolle Erkenntnisse zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Siedlungsgeschichte Münchens
Vor dem Jahr 2000 gab es bei Bodeneingriffen nur wenige archäologische Untersuchungen. So wurden weite Teile der unterirdischen Stadtgeschichte unerkannt vernichtet. In den letzten Jahren brachten Untersuchungen jedoch zahlreiche interessante Funde zu Tage.
- Odeonsplatz: Fundamente und Bogenansatz des nördlichen Schwabinger Tors mit Brücke
- Hofgarten: Reste der nördlichen Befestigungsmauer des Stadtbachs
- Westenrieder Straße 10/12: Reste der Münchner Stadtmauer unter Kriegsschutt
- Färbergraben: mittelalterliche Versuchsöfen einer Stofffärberei des Mangmeisters Hanns Spät (um 1480)
- Schrammerstraße: Latrine aus dem 13. Jahrhundert
- Marienhof: vielfältige Funde - die Grabungen
- Residenz: Grab aus der späten Bronzezeit (1350 - 1200 v. Chr.)
- Weinstraße 6: Latrine der Fremdenherberge und Gaststätte des Wolfgang Wenig von 1521
- Maximilianstraße 6-8: Stadtmauer aus der Zeit um 1300 mit vorgelagerter Zwingermauer des späten 15. Jahrhunderts