Im Detail
Wie gelingt die Transformation der Textilindustrie hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Textil-Forums 2025, das am 20. November im Munich Urban Colab stattfand. Organisiert vom Zero Waste Innovation Hub (ZWIH) der Landeshauptstadt München in Kooperation mit CIRCULAR REPUBLIC, brachte die Veranstaltung die entscheidenden Akteure an einen Tisch.
Über 120 geladene Gäste aus Industrie, Start-up-Szene, Forschung und Politik folgten der Einladung, um nicht nur über Probleme zu sprechen, sondern konkrete Lösungen sichtbar zu machen. Ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort: 55% der Teilnehmenden kamen direkt aus München und der Region. Die Mischung der Gäste spiegelte zudem die Komplexität der gesamten Lieferkette wider: Von etablierten Marken und Händlern (38 %) über Textilproduzenten (30 %) bis hin zu Technologieanbietern (24 %).
Impulsgeber und Gallery Walk: Innovation zum Anfassen
Ein Highlight der Veranstaltung war der „Gallery Walk“, der den Teilnehmenden die Möglichkeit bot, innovative Technologien und Materialien hautnah zu erleben. Projekte und Start-ups präsentierten hier ihre Ansätze – von neuartigen Recyclingverfahren für Mischfasern bis hin zu digitalen Lösungen für den digitalen Produktpass (DPP).
In den Panel-Diskussionen lag der Fokus auf zwei zentralen Herausforderungen:
- Zirkuläre Schuhe: Experten diskutierten, wie komplexe Produkte wie Turnschuhe, die oft aus verklebten Materialmixen bestehen, recyclingfähig designt werden können.
- Extended Producer Responsibility (EPR): Angesichts kommender EU-Regulierungen wurde debattiert, wie Herstellerverantwortung in der Praxis aussehen muss, um echte Anreize für Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit zu schaffen.
Zentrale Erkenntnisse aus dem Forum
Das Feedback der Teilnehmenden und die Diskussionen auf der Bühne kristallisierten mehrere Schlüsselfaktoren für den Wandel heraus:
- Kooperation ist der Schlüssel: Keine Marke kann den Kreislauf allein schließen. Die Veranstaltung zeigte, dass der Austausch zwischen Start-ups (mit innovativen Technologien) und etablierten Playern (mit Skalierungskraft) essentiell ist. Das Networking wurde im Feedback als einer der wertvollsten Aspekte des Events hervorgehoben.
- Daten als Enabler: Ob Digitaler Produktpass oder Sortieranlagen – ohne verlässliche Daten über Materialien und Inhaltsstoffe ist hochwertiges Recycling kaum möglich.
- Regulatorik als Chance: Die kommenden gesetzlichen Rahmenbedingungen werden nicht nur als Hürde, sondern als notwendiger Treiber für Innovationen und Standardisierung gesehen.
- Mut zu neuen Modellen: Es braucht nicht nur neue Materialien, sondern auch neue Geschäftsmodelle (z. B. Repair-Services, Resale), die ökonomisch tragfähig sind.
Fazit
Das Textil-Forum 2025 hat gezeigt: Die Technologien und der Wille zur Veränderung sind in München und darüber hinaus vorhanden. Das Munich Urban Colab bot dafür den idealen Rahmen. Die hohe Resonanz und die Bewertung von 4,3/5 Sternen durch die Teilnehmenden bestätigen den Bedarf an diesem formativen Austausch. Der Weg zur Circular Economy ist komplex, aber durch die Vernetzung der richtigen Akteure machbar.