Dreijahresförderung Kinder- und Jugendtheater
Die Landeshauptstadt München fördert professionelle Tanz- und Theaterschaffende im Bereich Kinder- und Jugendtheater der freien Szene.
Über die Förderung
Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München vergibt seit 2020 alle drei Jahre eine Dreijahresförderung für die freie Szene der Darstellenden Kunst für Junges Publikum.
Die Förderung soll produktionsunabhängige Maßnahmen zur strukturellen und / oder künstlerischen Fortentwicklung ermöglichen und den Geförderten dabei eine Planungssicherheit über drei Jahre verschaffen. Die Fördermittel können beantragt werden für produktionsunabhängige Kosten, z. B. für Fortbildungen, Studienreisen, künstlerisches Coaching, Vernetzungsformate, projektbezogene Unterstützung bei der Büroarbeit (z. B. Verteilererstellung), Erstellung von professionellem Kommunikationsmaterial (z. B. Website, Fotos, Filme), projektbezogene Miete von Proberäumen oder Technik-Investitionen.
Über die Vergabe der Dreijahresförderung entscheidet der Stadtrat der Landeshauptstadt München auf Empfehlung einer Jury.
Die Dreijahresförderung für Kinder- und Jugendtheater erhalten
Michael Bischoff, Tine Hagemann, Mira Mazumdar, Jochen Strodthoff
Im Jahr 2019 haben Jochen Strodthoff und Michael Bischoff begonnen, gemeinsam mit weiteren Akteur*innen Theaterprojekte für junges Publikum zu entwickeln. Mit WAS WÄRE WENN – 16 VARIATIONEN ÜBER DEN ZUFALL (2022 mit Kassandra Wedel) wurde erstmals eine inklusive Produktion für hörendes und gehörloses Publikum präsentiert. TRAUMMASCHINENTRÄUME (2024 mit Domo Nimar) war 2025 auf der Longlist für das renommierte AUGENBLICK MAL! Festival in Berlin und ZEBRA TWIST (mit Domo Nimar und Mira Mazumdar) wird inzwischen von der Deutschen UNESCO-Kommission als Leuchturmprojekt für Kulturelle Vielfalt gelistet. Alle Stücke wirken spielerisch-leicht und bringen gleichzeitig eine beachtliche thematische Tiefe mit sich.
Die Jury schätzt sehr, wie das junge Publikum auf spielerische und zugleich tiefgründige Weise mit komplexen Themen wie beispielsweise Inklusion, oder Ausgrenzung konfrontiert wird und wie einfühlsam, zielgruppengerecht und fantasievoll die Produktionen sind. Nach der intensiven Zusammenarbeit verschiedener Teams wirkt es für die Jury als logischer und vielversprechender Schritt, dass sich Michael Bischoff, Tine Hagemann, Mira Mazumdar und Jochen Strodthoff nun zusammentun, um der bisher erarbeiteten losen Struktur eine Form und Sichtbarkeit zu geben, gemeinsam zu reflektieren und
konzeptuell weiter zu denken. Neben Fortbildungen und der künstlerischen Weiterentwicklung möchte sich die Gruppe breiter aufstellen und den Kontakt zu Stiftungen und (über-) regionalen Kooperationen ausbauen sowie ihr Netzwerk erweitern. Weiterhin sollen Themen wie Inklusion, Teilhabe und Diversität verbreitet und damit noch mehr junge Menschen erreicht werden. Für die dreijährige, produktionsunabhängige Förderung Kinder- und Jugendtheater empfiehlt die Jury eine Förderung in Höhe von insgesamt 30.000 Euro für den Zeitraum 2026 bis 2028, demnach 10.000 Euro jährlich.
Karb, Sabine
Sabine Karb ist seit eigenen Jahren erfolgreich mit ihren Stücken sichtbar – im öffentlichen Raum, in Schulen, auf Bühnen. Ihr Antrag für die produktionsunabhängige Dreijahresförderung Kinder- und Jugendtheater ist eine sinnvolle und begrüßenswerte Fortsetzung ihrer Arbeit. Die Mittel sollen für die Professionalisierung der Publikumsgewinnung genutzt werden. Besonders überzeugt hier die geplante Entwicklung einer Handreichung für Lehrkräfte, um Schwellen im Kontakt mit zeitgenössischem Tanz abzubauen. Die Handreichung soll im Rahmen einer Fortbildung präsentiert und auf Verständlichkeit überprüft werden. Mit diesem Vorhaben stärkt Sabine Karb nicht nur die eigene Arbeit, sondern auch die Sensibilisierung für diese Kunstform im Allgemeinen. Eine Kooperation mit dem Kulturzentrum ubo 9 in Aubing stellt sicher, dass über die drei Jahre, flankierend zur dortigen Aufführungsserie, ein strategischer Publikumsaufbau erarbeitet wird. Es werden Verteiler konzipiert und erstellt, Workshop- und Vermittlungsformate entwickelt und in Hand Out-Form für Lehrkräfte aufbereitet. Der Antrag überzeugt durch eine Verschränkung von struktureller und inhaltlicher Publikumsgewinnung. Die Jury empfiehlt, Sabine Karb für drei Jahre mit 10.000 Euro jährlich zu fördern, insgesamt also mit 30.000 Euro für den Zeitraum 2026 bis 2028.
Koop3, Gabi Altenbach
Koop3 ist ein Zusammenschluss aus den drei freien Münchner Kinder- und Jugendtheatern „Altenbach + Honsel“, „Theater Kunstdünger“ und „theater satt“. Die drei Compagnien verbindet das Ziel, qualitätsvolles Theater für junges Publikum in München sichtbar und erlebbar zu machen. Dafür gibt es einen gemeinsamen Spielplan, zwei Mal jährlich die Koop3 TheaterTage mit zuletzt 16 Vorstellungen aller Koop3 Theater und vor allem ein Partnerschulprogramm. Damit leisten die drei Theater eine für die freie Szene außergewöhnliche, künstlerische Bildungsarbeit und machen Netzwerkpartner*innen generell aufmerksam auf die freie Szene. Die soll nun durch eine erneute Dreijahresförderung Kinder- und Jugendtheater weitergeführt und ausgebaut werden. Das Partnerschulmodell beinhaltet sowohl rezeptive als auch partizipative Angebote und ermöglicht den Schüler*innen kontinuierlich und langfristig Zugang zum Theater. Dabei wird die künstlerische Vermittlungsarbeit nicht nur von externen Theaterpädagog*innen übernommen, sondern auch von den Spieler*innen. Diese unmittelbare Begegnung mit den Kunstschaffenden ist ein besonderes Erlebnis für die Kinder. Im Jahr 2024 hat die Koop3 mit zehn Partnerschulen zusammengearbeitet (inklusive einer TUSCH-Schule), fast 120 Workshops durchgeführt und zudem noch pädagogische Fortbildungen gegeben. Diese wertvolle künstlerische und theaterpädagogische Arbeit soll in den nächsten drei Jahren nicht nur strukturell erhalten und fortgeführt werden, sondern noch ausgeweitet werden. Dazu gehört ein Ausbau sowohl im Bereich Kindergarten und Vorschule als auch bei den weiterführenden Schulen. So entsteht eine nachhaltige kulturelle Bildungskette, in der Theater von den Kindern als vertraute, kreative Konstante erlebt wird. Das Partnerschulmodell der Koop3 zeigt, wie Theatervermittlung funktionieren kann, wenn sie kontinuierlich, verbindlich und professionell stattfindet. Diese nachhaltige kulturelle Bildungsarbeit, gelebte Kooperation und künstlerische Vielfalt würde die Jury gerne weiter gefördert wissen durch eine erneute Dreijahresförderung Kinder- und Jugendtheater. Für die Koop3, die drei Theater zusammen, empfiehlt die Jury die Zuerkennung der beantragten jährlichen 16.000 Euro, insgesamt 48.000 Euro für die Jahre 2026 bis 2028.
Saumweber, Laura
Mit Moving Matters stellt Laura Saumweber ein Vorhaben vor, das von Beginn an auf nachhaltige Entwicklung angelegt ist – künstlerisch wie strukturell. Der Antrag zeigt eindrucksvoll, wie sich aus kontinuierlicher Projektarbeit eine stabile Struktur formen lässt, die langfristig Impulse in die Kinder- und Jugendtheaterszene geben will. Bemerkenswert ist, dass Laura Saumweber im Trio mit Paula Niehoff und Martha Kröger bereits gemeinsam eine gute Sichtbarkeit entfalten konnte. Das spricht für ein starkes persönliches Engagement, konzeptionelle Klarheit und ein gutes Gespür für Vernetzung und Präsenz. Genau daran will das Trio nun anknüpfen – mit dem Ziel, bestehende Netzwerke weiter auszubauen, neue Partner*innen zu gewinnen und Formate für Austausch und Weiterbildung dauerhaft zu etablieren. Besonders überzeugend ist die Idee eines jährlich stattfindenden Think Tanks: ein Ort für kollegialen Austausch, gemeinsames Nachdenken und kontinuierliche Qualitätssicherung. Dieses Format soll nicht nur der eigenen Arbeit zugutekommen, sondern auch der gesamten Szene als Reflexionsraum offenstehen. Ergänzt wird der Ansatz durch geplante Weiterbildungen in Richtung Trauma-Therapie, Anti-Diskriminierung und generationsübergreifende Formate. Die Entwicklung von einer projektbasierten Praxis hin zu einer tragfähigen Struktur ist hier durchdacht, nachvollziehbar und mit Blick auf die Bedürfnisse der Szene formuliert. Das Vorhaben zeigt, wie künstlerische Arbeit gleichzeitig auch Strukturarbeit sein kann – verankert in einem klaren inhaltlichen Profil und mit echtem Gestaltungswillen. Die Jury befürwortet eine Förderung von Moving Matters durch Laura Saumweber in Höhe von insgesamt 30.000 Euro für den Zeitraum 2026 bis 2028, demnach 10.000 Euro jährlich.
- 2023 bis 2025
Maja Das Gupta; GbR Koop3, Niels Klaunick; GbR Bischoff, Herrberg, Strodthoff, Jochen Strodthoff; Traummaschine Inc. GbR, Judith Huber; - 2020 bis 2022
Die Kleinste Bühne der Welt GbR; Kindertheater im Fraunhofer, GbR Groß/Erby; Koop3; Judith Seibert; Traummaschine Inc., Judith Huber; Caitlin van der Maas