Münchner Jahreswirtschaftsbericht 2024

Der Bericht summiert Kennzahlen und Indikatoren sowie ein aktuelles Branchenbild, zudem Wohlfahrtsfaktoren für Münchens soziale und ökologische Standortqualität.

Überblick

Der Münchner Jahreswirtschaftsbericht 2024 liefert wieder einen aktuellen Überblick über die Münchner Wirtschaft.

Der vorliegende Bericht berücksichtigt - neben der ökonomischen Analyse - erneut auch soziale und ökologische Wohlfahrtsindikatoren. So bildet der Bericht auch Wohlstand und Lebensqualität der Münchner Bevölkerung ab.
 

Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg Münchens

2023 war ein Jahr der wirtschaftlichen Stagnation, das mit einem BIP-Rückgang in Deutschland von -0,3 % in einer Rezession endete; Bayern entwickelte sich etwas positiver und wies eine BIP-Zunahme von +0,3 % auf.

1. Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Ausgangslage (S. 9 ff)

Positiv: Inflationsraten haben sich im Jahresverlauf wieder auf ein normales Maß zurückentwickelt und auch Energiekosten sind bis zum Ausbruch des Gaza-Krieges deutlich gesunken.

Negativ: Privater Konsum schwächelt, trotz Lohnsteigerungen und guter Beschäftigungssituation, damit fehlt ein wesentlicher Impuls für den Aufschwung; anhaltend restriktive Zinspolitik.

Zwar gibt es keine aktuellen BIP-Zahlen für München, aber auch in Pandemie war feststellbar, dass sich München immer etwas besser als der bayerische Durchschnitt entwickelte, davon ist auch 2023 auszugehen.
 

2. Münchner Arbeitsmarkt
 

  • Beschäftigung erreicht Allzeithoch (S. 12 ff., S. 34 f.)

Die Beschäftigung erreichte ein neues Allzeithoch mit 960.354 SV-Beschäftigten.

Zunahmen gegenüber dem Vorjahr um +2,2 % bzw. 20.819 zusätzlichen SV-Beschäftigten.

Größte Beschäftigungszuwächse finden sich in folgenden Branchen:

  • Unternehmensnahe Dienstleistungen: +6.628 SV-Beschäftigten +4,4 %
  • IuK-Sektor: +4.902 SV-Beschäftigten, +4,5 %
  • Gastgewerbe: + 7,7 % (+2.713 SV-Beschäftigte)
  • Verarbeitendes Gewerbe: + 2,5 % (+2.479 SV-Beschäftigte)

Besonderes Kennzeichen des Münchner Arbeitsmarktes: Kontinuierlich steigende Akademikerquote (S. 19 f.): 2023 bei 41,3 %, mehr als 2/5 aller SV-Beschäftigten Münchens verfügen über einen akademischen Abschluss.
 

  • Arbeitslosigkeit (S. 53 ff.)

Die Arbeitslosigkeit stieg trotz steigender Beschäftigung leicht an: von 3,9 % (2022) auf 4,1 % (2023).

München liegt mit dieser Arbeitslosenquote über dem bayerischen Durchschnittswert (3,4 %), aber weiterhin ist die Arbeitslosigkeit deutlich niedriger als in allen anderen größeren deutschen Großstädten.
 

  • Fachkräftemangel (S. 38, S. 54)

Laut Zahlen der IHK München:

58 % der bayerischen Unternehmen sehen im Fachkräftemangel Gefahr für wirtschaftliche Entwicklung.

Arbeitskräfteengpass in Bayern lag 2022 bei 4 % und wird 2035 bei 22 % liegen (Quelle: IHK München und Oberbayern – Arbeitsmarktsituation in Bayern bis 2023).

Der Jobmonitor der Bertelsmann-Stiftung zeigt auf, wer in München aktuell (Mai 2024) besonders gesucht wird (vgl. auch S. 54):
TOP 8: Experten im Vertrieb, Unternehmensorganisation und -strategie, Werbung und Marketing, Büro- und Sekretariatsfachkraft, Medieninformation, IT-Experten, Softwareentwicklung.
TOP 50: unter anderen Gastroservice, Gesundheits- und Krankenpflege, Sozialarbeit.

Ausgewählte Branchen und Wirtschaftszweige

Industrie am Standort München (S. 35 ff.)

Der Industriesektor umfasst das Verarbeitende Gewerbe - dazu zählen Fahrzeug-, Anlagen- und Maschinenbau, chemische Erzeugung, Metallerzeugung und -verarbeitung sowie große Teile des Handwerks.

Wertschöpfungsanteil des Produzierenden Sektors liegt in München im Jahr 2021 (aktuelle Zahl!) bei 21,5 % und ist damit genauso hoch wie etwa im Jahr 2000 (vgl. S. 33).

Beschäftigung stieg 2023 im Produzierenden Gewerbe um 2,6 %, + 3.574 zusätzliche SV-Beschäftigte, und liegt jetzt bei rund 143.000 SV-Beschäftigten.

Starker Automotive-Sektor: 92.000 Beschäftigte in der Region München, Gesamtumsatz rd. 41 Mio. Euro; entspricht mehr als einem Viertel des Gesamtumsatzes der bayerischen Automotive-Branche.
 


Umweltwirtschaft (S. 48 ff.)

Die Umweltwirtschaft ist eine Querschnittsbranche. Sie umfasst alle Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen einen Beitrag zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz leisten, dazu zählen z.B. Wasser- und Abfallwirtschaft, Teile von Fahrzeug- und Maschinenbau, Teile des Dienstleistungssektors und Teile der Bauwirtschaft.

2022 waren rund 119.000 Erwerbstätige in dieser Branche in der Region München tätig, 52 % davon im Stadtgebiet.

5,9 % aller Erwerbstätigen in der Region in der Umweltwirtschaft beschäftigt.

Der jährliche Beschäftigungszuwachs liegt seit 2010 bei 3,8 % und damit deutlich über dem Durchschnitt. Besonders stark hat die Beschäftigung in der Umweltwirtschaft seit 2019 zugenommen.

Die Wertschöpfung der Branche liegt bei knapp 11 Mrd. Euro und nimmt damit rund 7 % der gesamten Wertschöpfung in der Region ein; Wertschöpfungszuwachs liegt seit 2019 im Schnitt bei 10 % pro Jahr.

Wachstumsschwerpunkte der Branche sind die Bereiche Energieeffizienz und Energieeinsparung, umweltfreundliche Energiewandlung, Energiespeicherung und -transport und umweltfreundliche Mobilität.
 

Digitalwirtschaft – IuK-Hotspot München (S. 46 ff.)

München ist herausragender Standort für Informations- und Kommunikationstechnologie in Deutschland. 1. Platz beim Smart City Index 2023: Der Index misst Digitalisierungsfortschritte in den Bereichen Verwaltung, IT, Energie und Umwelt, Mobilität, Gesellschaft und Bildung.

Zahl der SV-Beschäftigten im IuK-Sektor steigt um 4,5 % (+ 4.900 Beschäftigte) auf 112.747 SV-Beschäftigte.

Allein in den letzten zehn Jahren hat sich SV-Beschäftigung im IuK-Sektor Münchens um 80 % erhöht (+ 50.408 SV-Beschäftigte): 2023 waren rund 11,7 % aller Beschäftigten in diesem Bereich tätig, vor zehn Jahren lag der Beschäftigungsanteil noch bei 8 %.

Betrachtet man die Region mit, so waren 2023 insgesamt 161.987 Beschäftigte in diesem Sektor tätig, wobei München das Zentrum und den Schwerpunkt dieser dynamischen Entwicklung darstellt.

Die Attraktivität Münchens zeigt sich an der Vielzahl der hier ansässigen Unternehmen. Der Standort München ist zum Sitz von Global Playern und Marktführern geworden. Viele Firmen bauen ihren Standort in München weiter aus. Prominente Beispiele für ansässige Global Player sind: Amazon Web Services, Apple, Google Deutschland, Huawei, IBM-Watson, Microsoft.
 

Tourismus, Gastgewerbe und innerstädtischer Einzelhandel (S. 40 ff.)

Gastgewerbe

Übernachtungen lagen mit über 18,6 Mio. wieder über den Werten vor der Pandemie; die Zahl der Ankünfte liegt noch leicht unter den vorpandemischen Werten.

Top-Auslandsmärkte 2023 waren USA, Italien, Großbritannien. Übernachtungen der inländischen Besucher stiegen deutlich an (über 56% aller Übernachtungen sind auf deutsche Besucher zurückzuführen).

Für 2024 wird durch Großereignisse ein erneuter Übernachtungsrekord erwartet: Konzerte, EM 2024, Wiedererstarken des Messewesens mit zahlreichen internationalen und europäischen Leitmessen, z.B. Internationale Handwerksmesse, INHORGENTA, IFAT (Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser, Abfall- und Rohstoffwirtschaft), intersolar, electronica, ISPO München.

Die Messe München knüpfte mit 20 Mio. Besuchern im Jahr 2023 bei Eigen- und Gastveranstaltungen wieder an die Erfolge von vor Corona an (S. 84).

Die Attraktivität der Destination München wirkt positiv auf innerstädtischen Einzelhandel und Münchens Gastronomie (S. 40 ff.)

Einzelhandel (S. 40 f.)

Nur leicht positive Beschäftigungsentwicklung 2023 mit +0,2 % wegen Auswirkungen der hohen Inflation, Konsumzurückhaltung, Fachkräftemangel.

Zahlreiche Initiativen zur Belebung der ‚Münchner Innenstadt‘: Zwischennutzungen, Steigerung der Attraktivität und der Aufenthaltsqualität im Zentrum, kulturelle Veranstaltungen, Konzeptionierung eines digitalen Stadtrundgangs mit Hinweis auf Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten in Münchens Traditionsgeschäften (ab Herbst 2024).

Gastronomie (S. 42)

In der Gastronomie gab es eine deutliche Beschäftigungszunahme (+ 6,8 %), ebenso bei der Beherbergung (+ 10%). Dennoch ist das Beschäftigungsniveau von vor 2019 ist noch nicht wieder erreicht.

Positive Effekte in der Gastronomie gab es durch den wieder starken Tourismus und zahlreiche Großveranstaltungen.

 

Kommunale Finanzen: Allzeithoch bei Gewerbesteuereinnahmen (S. 77 ff.)

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste kommunale Steuer. Sie stieg 2023 auf 3,4 Mrd. Euro – ein neues Allzeithoch (S. 78).

Die Branchen mit den höchsten Gewerbesteuervorauszahlungen sind: Bank-, Kredit- und Versicherungswesen (881 Mio. Euro), Produzierendes Gewerbe (548 Mio. Euro), Dienstleistungssektor (448 Mio. Euro).

Hohe Gewerbesteuerzahlungen bilden die erfolgreiche Geschäftstätigkeit von Münchens Unternehmen ab und ermöglichen der Stadt den Spielraum, der nötig ist für Investitionen in Infrastruktur, Erziehung und Unterricht, Wohnungsbau, Klima- und Umweltschutz und Kultur (S. 81).

Hinzu kommen die Ausgaben für freiwillige, soziale Leistungen: z.B. kommunales Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm mit jährlich rund 23 Mio. Euro.

Aufgrund der hohen Investitionsausgaben stieg - trotz, steigender Steuereinnahmen - die Verschuldung massiv an: (S. 81 f.). Die Pro-Kopf-Verschuldung erhöhte sich von 1.602 Euro/Einwohner (2022) auf 2.492 Euro/Einwohner (2023).

Der Gesamtschuldenstand Münchens lag Ende 2023 bei knapp 4 Mrd. Euro und wird laut Prognose der Kämmerei bis Ende 2027 auf 9 Mrd. Euro ansteigen
 

Büroimmobilienmarkt München (S. 70 ff.)

Die negative wirtschaftliche Entwicklung hat sich 2023 nach den coronabedingten Rückgängen auf den Büroimmobilienmarkt Münchens ausgewirkt: (S. 70 f.).

Der Flächenumsatz München sank um -31 % auf 475.000 Quadratmeter.

Der Leerstand in München stieg um + 41 % auf rund 1,6 Mio. Quadratmeter.

Eine Ähnliche Entwicklung zeigen alle großen deutschen Büroimmobilienstandorte.

Während die Leerstandsquote in der Gesamtstadt bei 6,9 % lag, zeigte sich, dass attraktive Lagen dennoch stark nachgefragt werden :

  • Leerstandsquote Altstadt München: 1,2 %
  • Leerstandsquote innerhalb Mittlerer Ring: 3,5 %:

Auswirkungen von Homeoffice (ifo-Untersuchung): (S. 72): Homeoffice-Quote hat sich von 5 % (vor Pandemie), über 34 % (während Pandemie) auf rund 25 % (aktuell) entwickelt. Folge: mittelfristig werden Büroflächen verkleinert, der Minderbedarf liegt laut ifo-Studie bei durchschnittlich 12 %.

Attraktive, zentral gelegene, gut erreichbare Lagen werden weiterhin stärker nachgefragt und New-Work-Fähigkeiten von Bürogebäuden rücken stärker in den Focus.

Das zeigt sich bereits jetzt in den Preisen: Spitzenmieten steigen
 

Ausblick

Wirtschaftsstandort München entwickelt sich weiterhin stabil trotz schwacher bis negativer konjunktureller Rahmenbedingungen.

Gründe für diese stabilen Entwicklungsverläufe: München ist stark in vielen Branchen, vor allem in Zukunftsbranchen.

Wirtschaftsstandort bietet als Hochschul- und Wissensstandort die idealen Rahmenbedingungen, die von innovativen Unternehmen nachgefragt werden.

Gleichzeitig finden die Unternehmen am renommierten Hochschulstandort München geeignete Fach- und Nachwuchskräfte.

 

Statement Wirtschaftsreferent

Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft:

„Münchens diverse Wirtschaftsstruktur ist ein wichtiger Grund für die Robustheit und Stärke des Wirtschaftsstandorts. Dies hat nicht nur in Zeiten der Corona-Krise getragen, sondern verleiht dem Standort auch die Widerstandsfähigkeit und notwendige Resilienz in aktuell schwierigen und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Die starke Stellung Münchens in den High-Tech-, Digitalisierungs- und Innovationsbranchen ist das Fundament ihrer Zukunftsfähigkeit, auch im internationalen Wettbewerb.

Die Attraktivität des Standortes München darf nicht als gegeben hingenommen werden. Beispiel IuK-Standort: München bleibt auf der Erfolgsspur, wenn die Chancen, die von der neuen Industrie für Arbeit und Wohlstand ausgehen, politisch ernsthaft angenommen werden.

Beispiel Produzierendes Gewerbe: Die Stadt muss auch künftig alles unternehmen, um Industrie und Handwerk in der Stadt zu halten. Die Zahlen zur Wertschöpfung dieses Segments sprechen für sich: De-Industrialisierung führt zu Wohlstandsverlust auch innerhalb der Stadtgrenzen.

Beispiel Entwicklung der Innenstadt als Wirtschaftsraum: Hier müssen alle Möglichkeiten von Seiten der Kommune ausgeschöpft werden, um die innerstädtischen Zentren weiter attraktiv für Einheimische und Gäste zu gestalten.

Trotz aller positiven Voraussetzungen: Auch für München wird der Umgang mit dem Problem des demographischen Wandels und den daraus resultierenden Folgeeffekt des Fachkräftemangels zunehmend zur Herausforderung. Bestehende Ansätze, wie das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm MBQ, wurden entsprechend weiterentwickelt und müssen auch zukünftig angepasst werden. Gleichzeitig gilt es auch im Verwaltungshandeln neue Wege zu beschreiten und Mittel zu wählen, die schnell greifbare Lösungen bringen.“