Dominik Krause mit 56,4 % neuer OB von München
40,5 % der SPD-Wählerschaft votierte bei Stichwahl für den 35 jährigen Grünen
Was die Wählerwanderungsanalyse verrät:
In der Stichwahl zum Oberbürgermeister setzte sich Dominik Krause (GRÜNE) gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) mit einer Mehrheit von 56,4 % der Stimmen durch. Damit findet nach 42 Jahren mit der SPD an der Stadtspitze ein Regierungswechsel in der bayerischen Landeshauptstadt statt: Zuletzt wurde die SPD bei der Wahl im Jahre 1978 von Erich Kiesl von der CSU abgelöst, der von 1978-1984 Oberbürgermeister von München war. Mit Dominik Krause stellen nun die GRÜNEN erstmals den Oberbürgermeister in München.
Wie erklärt sich das Ergebnis der Oberbürgermeister-Stichwahl 2026? Welche Aussagen lässt die Wählerwanderungsanalyse zu?
Dominik Krause hat seinen Sieg in erster Linie zwei Faktoren zu verdanken: Erstens seiner treuen Wählerschaft – etwa 97 % von ihnen haben auch bei der Stichwahl erneut für ihn gestimmt. Zweitens der auffälligen Abwanderung von Wähler*innen, die im ersten Wahlgang noch für Dieter Reiter votiert hatten. Rund 79 900 Wähler*innen, die am 8. März Dieter Reiter gewählt hatten – das sind 40,5 % der SPD-Wählerschaft, unterstützten bei der Stichwahl Dominik Krause.
Ausschlaggebend für die Wahlniederlage von Dieter Reiter sind zum einen die Wählerabwanderungen an den Herausforderer Dominik Krause, zum anderen die fehlende Unterstützung der SPD-Stammwählenden. Der Partei ist es nicht gelungen, ihre Wählerschaft ein zweites Mal zur Stimmabgabe zu bewegen: Rund 47 000 Wähler*innen (das sind 25,3 % der SPD-Wählerschaft), die am 8. März noch für OB Reiter stimmten, nahmen an der Stichwahl nicht mehr teil. Nur 34,2 % der Wähler*innen, die im ersten Wahlgang Dieter Reiter unterstützt hatten, sind dem SPD-Kandidaten bei der Stichwahl noch treu geblieben.
Im Vorfeld der Oberbürgermeister-Stichwahl 2026 hatte die CSU eine Wahlempfehlung für Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und Volt für den Herausforderer Dominik Krause (GRÜNE) abgegeben.
81,3 % der knapp 122 000 ehemaligen CSU-Wähler*innen (rund 99 000 Wähler*innen) sind der Empfehlung ihrer Partei gefolgt und haben bei der Stichwahl Dieter Reiter mit ihrer Stimme unterstützt. Das zeigt, dass es der CSU sehr gut gelungen ist, ihre Wählerschaft ein zweites Mal zur Teilnahme an der Wahl zu bewegen – zumal auch nur rund 18 000 Wähler*innen (14,9 %), die im ersten Wahlgang für den CSU-Kandidaten Clemens Baumgärtner gestimmt hatten, der Stichwahl fern geblieben sind.
Im Vergleich zu den ehemaligen CSU-Wähler*innen fiel bei den ehemaligen Volt-Wähler*innen die Unterstützung für die Wahlempfehlung ihrer Partei etwas geringer aus: Von den rund 6 000 ehemaligen Volt-Wähler*innen ist etwa jede*r zweite der Wahlempfehlung gefolgt – insgesamt hat der GRÜNEN-Kandidat Dominik Krause rund 3 100 Stimmen von ehemaligen Volt-Wähler*innen erhalten.
Ehemalige Wähler*innen der AfD, der FREIEN WÄHLER und der ÖDP haben Dieter Reiter bei der Stichwahl stärker unterstützt als Dominik Krause.
Verglichen mit der Wählerschaft anderer Parteien fiel das Interesse an der Stichwahl vor allem bei den ehemaligen Die Linke-Wähler*innen gering aus: etwa 64,6 % von ihnen (das sind rund 8 900 ehemalige Wähler*innen), die im ersten Wahlgang für den Kandidaten Stefan Jagel gestimmt hatten, nahmen an der Stichwahl nicht teil.