Hauptstadt des Fairen Handels

Platz 1 in der Kategorie Großstadt: Bereits zum dritten Mal hat München einen Preis beim bundesweiten Wettbewerb Hauptstadt des Fairen Handels gewonnen.

05. Dezember 2023

München ist „Hauptstadt des Fairen Handels“: Sylvia Baringer von der Fachstelle Eine Welt des Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU), Boris Schwartz, Stadtdirektor des RKU, Simone Krischke von der Fachstelle Eine Welt des RKU und Raphael Thalhammer vom Nord Süd Forum München e.V. bei der Preisverleihung des bundesweiten Wettbewerbs.

München erringt 1. Platz im bundesweiten Wettbewerb

Bereits zum dritten Mal hat München jetzt einen Preis beim bundesweiten Wettbewerb Hauptstadt des Fairen Handels gewonnen – und heuer schaffte es die Stadt auf Platz 1 in der Kategorie Großstadt. München wird damit für die Vielzahl und Vielfalt von Aktionen und Veranstaltungen zur Förderung des Fairen Handels ausgezeichnet.

Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) ist ein Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik und zeichnet seit 2003 Städte und Gemeinden für ihr lokales Engagement im Bereich Fairer Handel und Faire Beschaffung aus. Bereits im Jahr 2009 hatte München den 2. Preis belegt und im Jahr 2013 einen Sonderpreis für die Beschaffung von fairen Natursteinen erhalten.

In diesem Jahr hat sich die Stadt mit einem breit aufgestellten Portfolio aus 16 Projekten beworben, das die Jury überzeugte. Beispielhaft zu nennen sind das erfolgreiche Stadtratshearing zur nachhaltigen Beschaffung, die dauerhafte Aufnahme der Schulungen zur nachhaltigen Beschaffung in das städtische Fortbildungsprogramm, die Neuauflage der München Schokolade oder das von der Stadt geförderte Bündnis Fairtrade Stadt München, das die Zivilgesellschaft unterstützt, um das Thema Fairer Handel in der Stadt voranzubringen. Vorbildlich ist auch die Kooperation mit den drei Weltläden der Stadt oder die städtische Finanzierung einer Projektstelle beim Nord Süd Forum München. Auch die strukturelle Verankerung des fairen Gedankens in der Stadtverwaltung wird gewürdigt.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro bringt die Fachstelle Neue Welt des Referats für Klima- und Umweltschutz neue Projekte auf den Weg, um den Fairen Handel in München weiter zu fördern und zu stärken.

Stadt feiert zehn Jahre Fairtrade

Nicht nur der 1. Platz beim bundesweiten Wettbewerb als Hauptstadt des Fairen Handels 2023 in der Kategorie Großstadt ist Anlass für München zu feiern, sondern insbesondere auch das zehnjährige Jubiläum als Fairtrade Stadt München.

Die Jubiläumsfeier findet am Sonntag, 10. Dezember, von 11 bis 17 Uhr im Hexenkessel auf dem Tollwood statt. Spannende Interviews und Infos rund um das Thema Fairer Handel werden flankiert von der Unterbiberger Hofmusik und der Salsaband MDíazG´& Latin Macuma. Zudem ist die Ausstellung Make Chocolate fair! zu sehen, für Kinder dreht sich ein Glücksrad und weitere Infostände, an denen man sich informieren kann, sind ebenfalls vor Ort. Auch der bio-faire München Kaffee und die München Schokolade werden angeboten, letztere kann sogar verkostet werden. Der Eintritt ist frei.

Nachhaltige Beschaffung bei der Stadt

Soziale und umweltbezogene Kriterien sind wichtige Bestandteile der Vergabepraxis

Seit 2002 kauft München keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit mehr ein. Die Stadt war damit eine der ersten Kommunen in Deutschland. 2011 hat der Stadtrat dann beschlossen, dass bei der Beschaffung verschiedener Produktgruppen sozialverantwortliche und ökologische Kriterien berücksichtigt werden müssen.

Zu den sozialen Kriterien zählen zum Beispiel die Einhaltung von Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Produktion, die Vermeidung ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit, existenzsichernde Löhne, Gleichstellung von Frauen und Männern und gerechter Handel.

Ökologische Kriterien können beispielsweise Ressourcen- und Energieverbrauch, die Reduktion von Schadstoffemissionen oder die Langlebigkeit, Wiederverwertbarkeit und Reparaturfreundlichkeit eines Produkts sein.

So kommen etwa Blumen für städtische Anlässe größtenteils aus dem stadteigenen Gartenbau, teilweise aus re­gional­-saisonalem Anbau. Bei Zukauf außerhalb Euro­pas achten die Vergabestellen auf zertifizierten Fairen Handel.

Beim Kauf von Natursteinen für den Bau und die In­standhaltung von Straßen fordert die Stadt vertrauenswürdige, von unabhängigen Dritten kont­rollierte Gütezeichen von den Unternehmen, um ausbeuterische Kinderarbeit auszuschließen. Auch Fuß-­ und Handbälle für Münchner Schulen stammen seit 2014 ausschließlich aus Fairem Handel. Seit letztem Jahr sind auch fair hergestellte Volley- und Basketbälle abrufbar.

Zudem prüft die Stadt bei bestimmten Dienstleistungsaufträgen, ob die Beschäftigten der Vertragspartner*innen gesetzeskonform entlohnt werden und die Mindestarbeitsbedingungen eingehalten werden.

Bei Holz und Holzprodukten darf kein Tropenholz ver­wendet werden, Holzprodukte müssen aus nachhalti­ger und zertifizierter Bewirtschaftung stammen. Bei Papier und Papiererzeugnissen werden bei bestimmten Formaten fast 100 Prozent Recyclingpapier verwendet, bei Frischfaser­ und farbigem Papier ökologische Zertifizierungen gefor­dert.

Bei Büromaterial werden 50 Prozent Nach­haltigkeitskriterien wie beispielsweise Recycling­fähigkeit oder klimaneutraler Versand berücksichtigt und bei Büromöbeln ist das Gütezeichen des Blauen Engels der Standard, seit 2021 haben Nachhaltigkeitskriterien und Klimaneutralität bei der Wertung der Angebote einen deutlichen Anteil.

Die städtischen PKW und Nutzfahrzeuge werden – soweit möglich – sukzessive umgestellt auf Elektro­fahrzeuge beziehungsweise alternative Antriebe. Auch der Anteil an bio, regionalen und fair gehandelten Lebensmitteln im Geschäftsbereich der Stadt sowie in Schulen und Kitas wird stetig ge­steigert.

Bei der Beschaffung von IT-Produkten gelten bereits seit vielen Jahren ökologische wie auch soziale Kriterien wie etwa die umweltgerechte Entsorgung, Gütesiegel oder ISO-Zertifizierungen, Ausschluss bestimmter giftiger Stoffe, Berücksichtigung von Stromverbrauch und Emissionen wie auch etwa der Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer*innen in der gesamten Lieferkette.

Für viele weitere Produktgruppen entwickelt die Stadt Nachhaltigkeitskriterien und nimmt sie in die Vergabeunterlagen auf, aktuell zum Beispiel für Textilien wie etwa Schutzanzüge.

Seit 2020 gibt es zudem Schulungen für städtische Mitarbeiter*innen zur nachhaltigen Beschaffung. Aufgrund des großen Interesses wurden die Schulungen als reguläres Angebot in das städtische Fortbildungsprogramm aufgenommen und sollen auch weiter ausgebaut werden, etwa mit produkt- und themenspezifischen Modulen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter:

Oberbürgermeister Dieter Reiter

„Die Stadt kauft jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von über 500 Millionen Euro ein.

Damit hat die öffentliche Beschaffung eine Marktmacht, mit der sie einen wichtigen Beiträge zum Schutz von Umwelt und sozialen Standards leisten kann.

Daher gehen wir konsequent unseren Weg der nachhaltigen Beschaffung weiter.“

Information

Die Stadt informiert

„Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 5. Dezember 2023.