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Gegen Ressourcenverschwendung

85.000 Tonnen weniger Müll: München wird auf Grundlage eines umfassenden Konzepts zur „Zero Waste“-Stadt

02. August 2022

München wird zur „Zero Waste“-Stadt

Oberbürgermeister Dieter Reiter präsentiert mit Kommunalreferentin und 1. Werkleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs München, Kristina Frank, das Zero-Waste-Konzept für die Stadt München.
AWM
Oberbürgermeister Dieter Reiter präsentiert mit Kommunalreferentin und 1. Werkleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs München, Kristina Frank, das Zero-Waste-Konzept für die Stadt München.
Gegen Ressourcenverschwendung: 100 Maßnahmen helfen, Abfälle zu vermeiden

Abfall vermeiden. Falls einer anfällt, getrennt entsorgen, damit er wiederverwertet werden kann. Dieser Grundsatz liegt dem Zero-Waste-Konzept für München zugrunde, das Oberbürgermeister Dieter Reiter gerade der Öffentlichkeit präsentiert hat. Das Konzept umfasst Maßnahmen, wie jeder Einzelne, aber auch das Gewerbe, der Bausektor, Schulen und die Stadtverwaltung ihren Müll deutlich reduzieren und damit weniger Ressourcen verschwenden können.

Zentrales Ziel bis 2035 ist, dass alle Haushaltsabfälle um 15 Prozent pro Kopf pro Jahr reduziert werden. 2019 waren das 366 Kilogramm, 2035 sollen es dann 310 Kilogramm sein. Das wären insgesamt 85.000 Tonnen weniger Müll.

Vor allem soll die Restmüllmenge, also der Abfall, der in der schwarzen Tonne landet und verbrannt wird, weniger werden. Dieser Anteil soll um 35 Prozent pro Kopf und Jahr von 196 Kilogramm (2019) auf 127 Kilogramm sinken. Dazu gehört etwa, dass die Münchner*innen Papier- und Bioabfall konsequent getrennt in die blaue respektive braune Tonne werfen.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) hat in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut, Stakeholder Reporting, Prognos und rehab republic e.V. sowie unter Einbeziehung von Münchner*innen, ein 200 Seiten starkes Zero-Waste-Konzept erarbeitet. Die  rund 100 Maßnahmen, die entwickelt wurden, sind vielfältig.

Sie reichen von einer Prämie für reparierte Geräte, dem Verkauf von gebrauchten Möbeln aus der Stadtverwaltung im Gebrauchtwarenhaus Halle 2, der intensivierten Information der Bürger*innen über die richtige Mülltrennung in verschiedenen Sprachen, einer Circular-Economy-Beratungsstelle für Gewerbe und Handel, dem Aufbau einer Baustoff-Bibliothek, der Ausweitung des Mehrweg-Gebots bei Veranstaltungen bis zu einem Pilotversuch mit der gelben Tonne.

„Es ist wirklich beeindruckend, was in nur drei Jahren aus meiner Idee geworden ist“, so Oberbürgermeister Dieter Reiter. Er hatte 2019 im Rahmen seines Münchner Zukunftsdialogs mit dem Wuppertal Institut die Stadtverwaltung beauftragt, ein Zero-Waste-Konzept zu entwickeln. „Ich danke allen Beteiligten für das tolle Engagement und ich hoffe, wir können das alles erfolgreich umsetzen.“

Mehrweg: „To-Go“ mit gutem Gewissen

Der Markt an Anbieter von Mehrweg-Systemen wächst, die verschiedene Behältnisse wie Becher, Bowls oder Mehr­kammern verkaufen.
Petra Serbin
Der Markt an Anbieter von Mehrweg-Systemen wächst, die verschiedene Behältnisse wie Becher, Bowls oder Mehr­kammern verkaufen.
Die Stadt fördert die Umstellung auf ein Mehrweg-System mit bis zu 500 Euro

Essen und Trinken zum Mitnehmen, aber ohne große Müllberge zu produzieren – dafür hat die Stadt ein Förderprogramm für Gastronomie und (Lebensmittel-)Einzelhandel eingeführt.

Einweggeschirr verbraucht Unmengen an wertvollen Ressourcen und produziert tonnenweise Müll. Um die Gastronom*innen und Einzelhändler* innen dazu zu motivieren, sich für ein Mehrweg-Pfandsystem zu entscheiden, bezuschusst die Stadt hier eine Beteiligung mit bis zu 500 Euro.

„Das ist zeitgemäß, nachhaltig und leistet einen wichtigen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz,“ so Oberbürgermeister Dieter Reiter. Zudem bietet die Stadt den Geschäftsleuten Infoveranstaltungen zum Thema Mehrweg an. Die nächste findet am 13. Oktober statt.

Auch unter mehrwegberatung-muenchen.de bekommen Umstellungswillige Infos rund um Mehrweg-Systeme, Anbieter, gesetzliche Regelungen, Hygiene und Sensibilisierungsmaßnahmen. Betreiber*innen, die erstmalig seit April ein Mehrweg-System in ihrem Betrieb einführen möchten, können einen Antrag stellen.

Die Unterlagen wie auch weitere Infos sind unter stadt.muenchen.de/infos/zuschussprogramm-mehrweggeschirr.html zu finden.

Wohin mit Beil-Agen oder Topfpf-Lanze?

Eine von zehn Kampagnen-Motiven, mit denen der Abfallwirtschaftsbetrieb München fürs richtige Trennen motivieren möchte.
Eine von zehn Kampagnen-Motiven, mit denen der Abfallwirtschaftsbetrieb München fürs richtige Trennen motivieren möchte.
Neue Kampagne des Abfallwirtschaftsbetriebs München zum richtigen Mülltrennen

Konsequent Bio- und Papiermüll in der braunen respektive blauen Tonne zu entsorgen, ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Und es spart Bares. Denn Haushalte, die mit einer kleineren Restmülltonne auskommen, müssen eine geringere Gebühr bezahlen.

Leider befinden sich im Münchner Restmüll fast 40 Prozent organische Abfälle, aus denen Energie und Kompost produziert werden könnte. Auch Glas, Kunststoffe und Metalle ebenso wie Papier, Pappe und Kartonage landen im Restmüll – dem Müll, der nicht mehr recycelt werden kann.

Um die Bevölkerung fürs richtige Trennen zu sensibilisieren, hat der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) seine erfolgreiche Kampagne von 2006 neu aufgelegt. Auf Müllfahrzeugen etwa sind die Motive mit falsch getrennten Wörtern zu sehen. Sie zeigen auch, in welcher Tonne Bio- und Papiermüll landen sollte.

Alle zehn Motive sind unter awm-muenchen.de/trennkampagne zu finden. Über die richtige Abfalltrennung können sich Bürger*innen zudem unter awm-muenchen.de/muell-richtig-trennen informieren.

Die Stadt informiert

„Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 2. August 2022.