100 Jahre Münchner Stadtentwässerung

Wanderausstellung in der Stadt und Tag der offenen Tür am Gut Großlappen

31. März 2026

100 Jahre moderne Abwasserreinigung

Klärwerk Gut Großlappen: Klärbecken und Faultürme
MSE
Klärwerk Gut Großlappen: Klärbecken und Faultürme

Münchner Stadtentwässerung sorgt für einen Reinigungsgrad von über 99 Prozent

Durchschnittlich 136 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht ein Mensch in Bayern etwa für Körperpflege, Kochen, Wäsche­waschen oder Putzen. Das benutzte Wasser wie auch das Abwasser der Industrie oder Teile des Regenwassers von der Straßenoberfläche fließen in ein unterirdisches Kanalsystem.

Um dieses Abwasser aus München und Teilen des Umlands kümmert sich die Münchner Stadtentwässerung (MSE) – und das bereits seit über 100 Jahren. Sie ist ein städtischer Eigenbetrieb und verantwortlich für den Bau, den Betrieb und den Unterhalt der Münchner Kanalisation und zweier Klärwerke.

Die Anfänge

Alte Faultürme - in klassischer Eiform.
MSE
So sahen die ersten Faultürme aus – in klassischer Eiform. 2008 wurden die neuen, kegelförmigen Faultürme in Betrieb genommen.

Max von Pettenkofer gilt als Begründer der Münchner Stadthygiene. Er forderte damals ein Kanal­system, das Unrat und Dreck erst unter und schließlich aus der Stadt bringen sollte. 1857 ließ Stadtbaurat Arnold von Zenetti die ersten Abwasser­kanäle bauen. Der Ingenieur Joseph Gordon erstellte schließlich einen Kanalisations­plan für München, der Ende des 19. Jahr­hunderts in die Umsetzung ging. Toiletten mit Wasser­spülung hielten daraufhin Einzug in Münchens Haushalte.

Das Kanalsystem leitete damals das Abwasser außerhalb der Stadt in die Isar, etwa auf Höhe von Unterföhring. Dort überließ man es der Natur, das verdreckte Wasser zu reinigen. Die steigende Zahl an Einwohnern und der Plan, die Wasserkraft der Isar zur Stromgewinnung zu nutzen, führte 1926 schließlich zur Inbetriebnahme der ersten Münchner Kläranlage – dem städtischen Gut Großlappen.

Anfänglich wurde das Abwasser mechanisch über Grobrechen und durch Ausfaul-Becken sowie biologisch in angelegten Abwasser-Fischteichen gereinigt.

Abwasserreinigung heute

Kanal an der Ungererstraße
MSE/Dirk Seidel
Der Kanal an der Ungererstraße gehört zum rund 2.400 Kilometer langen Kanalnetz unterhalb der Straßen Münchens.

Über die folgenden Jahr­zehnte hat die MSE die Kläranlage entsprechend dem sich weiter­entwickelnden technischen Standard kontinuierlich modernisiert.

Inzwischen gehören zur mechanischen Reinigung mit Rechen, die grobe und feinere Feststoffe entfernen, auch Sandfänge, in denen Sand und kleine Steine zu Boden sinken und abgesaugt werden. Die erste Biologische Stufe ersetzte die Reinigung im Fischteich, später kam die Zweite Biologische Stufe dazu, in der dem Schlamm unter anderem Stickstoff entzogen wird. Zudem durchläuft das Abwasser mehrere Klärbecken, in welchen sich verschiedene Schwebestoffe absetzen und herausgepumpt werden. Ein Sandfilter beendet den grundlegenden Reinigungsprozess, der einen Reinigungsgrad von mehr als 99 Prozent erreicht. Die Vorgänge sind dabei im Grunde die gleichen wie in der Natur, finden aber auf engerem Raum und in kürzerer Zeit statt.

1989 ging außerdem das zweite Klärwerk am Gut Marienhof in Dietersheim in Betrieb. Täglich werden von beiden Klärwerken durchschnittlich eine halbe Million Kubikmeter Abwasser, also 500.000.000 Liter, gereinigt.

Das Klärwasser aus Gut Großlappen wird dem Kraftwerk Finsing zugeführt. Davor fließt das mit Nährstoffen angereicherte Wasser auch heute noch durch die früheren Fischteiche. Denn für das dort entstandene Vogelschutzgebiet hat sich die Zuleitung des Klärwassers als unverzichtbar erwiesen. Das gereinigte Abwasser vom Gut Marienhof wird direkt in die Isar geleitet – nachdem es zuvor noch eine Ultraviolett-Desinfektionsanlage durchlaufen hat, um die Badewasserqualität der Isar zu gewährleisten.

Energiegewinnung

Sommerliche Isar an der Corneliusbrücke
A. Lang
Der Einbau von Desinfektionsanlagen am Gut Marienhof sorgt für beste Badequalität in der Isar.

Beide Klärwerke haben eine Energiezentrale, in der das im Reinigungsprozess erzeugte Klärgas verbrannt und daraus Strom und Wärme gewonnen wird. Zusätzlich liefert seit 2022 auch ein Photovoltaikpark am Gut Marienhof Strom. Damit können die MSE heute rund 80 Prozent des Energiebedarfs ihrer Klärwerke selbst decken.

Der Klärschlamm wird in der Verbrennungsanlage am Gut Großlappen thermisch verwertet – das ist der Entsorgungs­weg, der die Umwelt am geringsten belastet. Aktuell wird eine neue Anlage gebaut, die eine energieautarke Verbrennung ermöglichen wird und bereits künftigen Anforderungen entspricht.

MSE für München

Seit der Inbetriebnahme des Klärwerks 1926 trägt die nach­haltige Abwasserreinigung entscheidend zum Gewässer­schutz in und um München bei. Die Klärwerke sorgen dafür, dass das gesammelte und gereinigte Abwasser von fast zwei Millionen Menschen sowie der Industrie in der Region sauber in den Wasserkreislauf zurückfließt.

Und das besonders wirtschaftlich: Die Abwassergebühren pro Haushalt liegen seit vielen Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau.

Jubiläumsveranstaltungen

In einer Wanderausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens von Gut Großlappen können alle Interessierten tiefer in die Geschichte der städtischen Abwasserreinigung einsteigen. Noch bis 13. April ist sie im Baureferat zu sehen. Danach vom 15. bis 30. April im Planungsreferat. Und am 24. Oktober laden die MSE zum Tag der offenen Tür am Gut Großlappen ein. Mehr Informationen und weitere Ausstellungs­örtlichkeiten sind zu finden unter:

Information

Die Stadt informiert

„Die Stadt informiert" erscheint in der Regel dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 31. März 2026.